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„Ein belebendes Gefühl“

Vincent Wieser stürzte sich 2025 erstmals bei einem Weltcup--Rennen die legendäre Streif hinunter. Was schon beim Zuschauen Angstschweiß auf die Stirn treibt, beschreibt der 23-jährige Schladminger als „gesunde Anspannung“.

Letzte Saison gab Vincent Wieser sein Weltcup-Debüt. Auch bei den Hahnenkamm-Rennen war er mit dabei – im Super-G schied er aus, in der Abfahrt hingegen belegte er den 30. Platz. Damit schrieb er sich gleich bei seiner ersten Streif-Bezwingung in die Punkteränge ein. „Ich habe zu Kitzbühel generell eine gute Beziehung“, erzählt Wieser, der die Strecke schon aus dem Weltcup-Training 2024 kennt, bei dem er aufgrund seiner Erfolge im Europacup teilnehmen durfte. „Die Emotionen werde ich so schnell nicht vergessen.“

Gutes Gefühl, keine Erwartungen

Schon die Trainings verliefen vielversprechend. Im Steilhang zeigte Wieser eine starke Zeit. „Ich bin mit einem guten Gefühl, aber nicht mit übermäßigen Erwartungen hingefahren. Die Bedingungen waren super“, erinnert sich der Rookie. Doch je näher das Rennen rückte, desto intensiver wurde das Gefühl. „Man will das Beste zeigen und auf den Punkt bringen. Kitzbühel ist spezieller als andere Rennen, vom Einfahren bis zum Start.“

Ein Moment bleibt ihm besonders in Erinnerung: „Als ich vom Einfahren zum Start gekommen bin, ist Dario Costa (Red Bull Flying Team, Anm.) direkt übers Starthaus geflogen. Das war ein Gänsehautmoment und mir ist klar geworden – du bist jetzt wirklich in Kitzbühel und fährst gerade zum Start hin.“

„Aufmerksamkeit ist eigentlich genau das, was man will. So kann man hinaustragen, wie schön und brutal die Streif ist.“

Vincent Wieser

Vincent Wieser fuhr bei seiner ersten Weltcup-Abfahrt in Kitzbühel gleich in die Punkteränge.

Zwischen Gänsehaut und gesunder Anspannung

Angst spielt für den jungen Steirer keine dominante Rolle. „Man denkt schon darüber nach, was schiefgehen kann, aber nicht direkt vor dem Wegfahren.“ Statt Furcht überwiege Konzentration: „Mir hilft das mehr, als es mich beeinträchtigt. Es ist ein belebendes Gefühl. Manche nennen es Angst, andere Nervosität, ich nenne es gesunde Anspannung.“ Warum Kitzbühel so gefürchtet ist, weiß Wieser aus eigener Erfahrung: „In Kitzbühel geht es immer gleich zur Sache, schon in den ersten beiden Kurven. Da ist es brutal wichtig, wie es gleich am Anfang läuft.“

Im Training habe er die obere Passage besser gemeistert als im Rennen, „im Steilhang musste ich improvisieren“. Trotzdem zieht er ein positives Fazit seines Abfahrts--Weltcup-Debüts in Kitzbühel: „Die untere Passage und die Traverse habe ich so erwischt, wie ich es mir vorgestellt habe.“

Auf der großen Bühne

Ein Punkt in Kitzbühel ist für erfahrene Läufer nicht viel, für Wieser bei seinem ersten Start ein Meilenstein. „Da bin ich richtig stolz drauf. Das können nicht viele Leute von sich sagen. Es war eine Fahrt, die nicht perfekt war. Das stimmt mich positiv. Ich sehe noch viel Luft nach oben.“ Damit auf der Streif alles passt, braucht es mehr als Mut: Wieser hat sich intensiv vorbereitet, auch mental. Unterstützung kam von Kollegen wie Stefan Eichberger und Manuel Traninger. „Wir sind eine größere Gruppe mit ein paar, die nicht so erfahren waren, und haben uns einen Plan zurechtgelegt.“ Das sei gerade in Kitzbühel wichtig, weil es dort um mehr als das Rennen gehe: „Da ist sehr viel Spezielles dabei, viel Medienpräsenz und eine riesige Bühne.“

„Eine Gams wäre ein riesengroßes Ziel von mir. Mein Onkel, Sepp Walcher, hat in Kitzbühel gewonnen. [...] Das ist von vielen Läufern ein Traum, und wenn es einfach wäre, wäre es das auch nicht.“

Vincent Wieser

Trotz der enormen Aufmerksamkeit rund um die Hahnenkamm-Rennen ließ sich Wieser aber nicht aus der Ruhe bringen. „Selbst habe ich mir nicht zu viel Druck gemacht.“ Die große Medienpräsenz sieht er sogar positiv: „Aufmerksamkeit ist eigentlich genau das, was man will. So kann man hinaustragen, wie schön und brutal die Streif ist.“ Während der Fahrt blendet Wieser alles aus: „Ich bin sehr fokussiert und im Tunnel. Ich arbeite mich Schwung für Schwung und Tor für Tor weiter.“ Nach dem Rennen darf aber gefeiert werden: „Es war schon ein Erfolg, in Kitzbühel zu punkten und das mit den Menschen zu feiern, die man gern hat. Das ist in Kitzbühel gut möglich.“

„Lockerheit und Entschlossenheit“

Für die kommenden Rennen will sich Wieser vor allem auf das Wesentliche konzentrieren: „Die Kernbotschaft ist, rein auf die Fahrt zu schauen, sich einen Plan zurechtzulegen und den so gut wie möglich im Rennen durchzuziehen. Wenn’s mal nicht so aufgeht, auf die Intuition vertrauen. Es muss passieren und es braucht Lockerheit und Entschlossenheit.“ Denn eines weiß er genau: „Rennen und Training sind zwei verschiedene Welten.“ Wieser denkt langfristig. „Ich rede jetzt nicht von Podestplatzierungen, Siegen oder einer Olympiamedaille. Das Wichtigste ist, sich selbst weiter-zuentwickeln. Die Resultate müssen von selber kommen.“

Doch ein Traum bleibt: „Eine Gams wäre ein riesengroßes Ziel von mir. Mein Onkel, Sepp Walcher, hat in Kitzbühel gewonnen. Im Skisport ist das eine der größten Sachen, die man schaffen kann. Das ist von vielen Läufern ein Traum, und wenn es einfach wäre, wäre es das auch nicht.“


Junger Teamgeist siegt

Finn Neururer zählt zu den Skitalenten, die schon früh Erfahrung im internationalen Rennzirkus sammeln dürfen. Bei den Longines Future Hahnenkamm Champions 2025 in Kitzbühel konnte er gemeinsam mit dem Team Tirol überzeugen.

Die traditionsreichen Longines Future Hahnenkamm Champions bringen jedes Jahr junge Skitalente aus aller Welt nach Kitzbühel. Pro Team starten drei Mädchen und drei Burschen zwischen 15 und 16 Jahren in zwei Slalomdurchgängen. Nach einem Rückstand im ersten Lauf gelang dem Team Tirol im Vorjahr mit Emma Gosch, Ella Dickson-Turner, Emilia Kirchmair, Vincent Schmid, Severin Wieser und Finn Neururer eine Aufholjagd und schließlich der Sieg.

„Es war extrem spannend, im Team zu fahren und mit den anderen mitzufiebern“, erzählt der 15-jährige Innsbrucker Finn Neururer, der mit der zweitbesten Gesamtzeit entscheidend zum Sieg beitrug. Für zusätzliche Motivation sorgte die besondere Atmosphäre: Nur wenige Meter entfernt trainierten die Weltcup-Stars.

Neben dem sportlichen Erfolg freute sich der Tiroler, der von seinen Eltern trainiert wird, über eine besondere Erinnerung: Die Siegerinnen und Sieger erhielten eine Uhr und eine Miniatur der Kitzbüheler Gams. Und dennoch steht für die Zukunft aber nicht der Druck, sondern die Freude im Vordergrund: „Ich will mich weiterentwickeln und einfach schauen, wie es läuft“, so Finn Neururer.

Fotos: Vincent Wieser, Florian Neururer, Tina Neururer