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Das Rennen um das schönste Plakat

Der KSC und die BTV machen jedes Jahr die Suche nach dem künstlerischen Gesicht des Hahnenkamm-Rennens zum inter-nationalen Wettbewerb. Dabei wird der Mythos der Streif immer wieder neu erzählt – mal kühl, mal leidenschaftlich, aber stets unverwechselbar.

Lange bevor die besten Skifahrer der Welt die Streif hinunterjagen, läuft in Kitzbühel ein anderer Wettkampf: jener um das offizielle Hahnenkamm-Plakat, das Jahr für Jahr für große Aufmerksamkeit sorgt. Mal in schlichtem Schwarz-Weiß, mal in leuchtenden Kontrastfarben – die Entwürfe zeigen stolze Hähne, dynamische Skiszenen oder abstrakte Interpretationen der legendären Piste. Doch hinter den Bildern steckt weit mehr als Werbung.

Jedes Sujet ist ein eigenständiges Kunstwerk, ausgewählt aus Hunderten internationalen Einsendungen. Es steht nicht nur für das berühmte Event selbst, sondern ist längst Teil seiner visuellen Geschichte – ein Sammlerstück, das den Geist des Hahnenkamms immer wieder neu interpretiert.

Kunst als Teil des Hahnenkamm-Mythos

Der Plakatwettbewerb blickt auf eine lange Tradition zurück. „Er wurde 1990 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Rennens erstmals in Kooperation mit der BTV ausgerufen“, erzählt Martina Nöckler, die beim Kitzbüheler Ski Club für die Organisation verantwortlich ist. Entstanden ist die Idee gemeinsam mit der Tiroler Künstlerschaft – damals noch als regionale Ausschreibung, offen ausschließlich für heimische Mitglieder.

„Mein Entwurf lebt vom Spiel der Gegensätze – von Leidenschaft und Disziplin, von Bewegung und Eis.“

Jennifer Kiktenko, Siegerin des Plakatwettbewerbs 2025

Bei den Siegerplakaten wird darauf geachtet, dass die Gestaltung aussagekräftig ist, aber auch auf die künstlerische Qualität.

Der erste Sieg ging an den Bildhauer Rudi Wach, der eine Serie markanter Entwürfe schuf. Seine Werke wurden in der BTV ausgestellt, die Originale später verkauft. „Nach rund zehn Jahren hat man gemerkt, dass der Tiroler Raum zu klein geworden ist“, sagt Nöckler rückblickend. Der Schritt zur internationalen Ausschreibung folgte schnell selbstverständlich – und brachte frische Impulse.

Seither Beiträge aus aller Welt den Kitzbüheler Ski Club erreichen, wurde die Bedeutung des Wettbewerbs weiter gestärkt. „Jedes Motiv erzählt das Hahnenkamm-Rennen auf seine eigene Weise und wird damit Teil seiner Geschichte“, so Nöckler. Heute gilt der Contest als Brücke zwischen zwei Welten – zwischen alpinem Skisport und bildender Kunst.

Kontraste auf Blau und Pinkrot

Mit leuchtenden Farben und einer klaren Formensprache überzeugte Jennifer Kiktenko in diesem Jahr die Jury und konnte sich gegen 264 Einreichungen von 137 Teilnehmenden durchsetzen. „Ehrlich gesagt, hatte ich vorher noch nie vom Hahnenkamm-Rennen gehört“, sagt die Mainzerin lachend. Doch je tiefer sie in die Historie des legendären Sportereignisses eintauchte, desto stärker wächst ihre Faszination.

Jennifer Kiktenko

Das Gewinnerplakat des diesjährigen Wettbewerbs stammt von der Künstlerin Jennifer Kiktenko. Die gebürtige Mainzerin studierte an der Hochschule ihrer Heimatstadt Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Corporate Design, Editorial Design und Animation. Seit über zehn Jahren ist sie bei der Designagentur CLDES tätig, wo sie die kreative Leitung innehat und die Gestaltung von Designprojekten verantwortet.

„Mein Entwurf lebt vom Spiel der Gegensätze – von Leidenschaft und Disziplin, von Bewegung und Eis“, beschreibt die Künstlerin. Im Mittelpunkt steht der Hahn, der sich aus dem Schriftzug „Hahnenkamm Rennen 2026“ formt. Die Linien erinnern an die Spuren der Skifahrer im Schnee, die Kurven an die markante Streif. Auch die Farbwahl erzählt eine Geschichte: Ein intensives Pinkrot trifft auf tiefes Blau – Energie gegen Kälte, Emotion gegen Naturgewalt. So übersetzt die Kommunikationsdesignerin die Spannung des Wettbewerbs in ein kraftvolles visuelles Statement.

Als Siegerin erhält sie nicht nur 7.000 Euro Preisgeld, sondern auch eine VIP-Einladung zum Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel. „Ich freue mich schon darauf, mein Design in diesem besonderen Umfeld zu sehen – und die Atmosphäre des Hahnenkamms einmal selbst zu erleben.“

Aufwendige Juryarbeit

Wer am Ende als Siegerin oder Sieger hervorgeht, entscheidet eine Jury. Sie setzt sich aus zwei Tiroler Künstlerinnen sowie Vertreterinnen und Vertretern der BTV und des Kitzbüheler Ski Clubs zusammen. Der Auswahlprozess ist sorgfältig und mehrstufig: „Die Künstlerinnen und Jurymitglieder des KSC erhalten alle Einreichungen anonym und wählen zunächst fünf Favoriten aus“, erklärt Nöckler, die den gesamten Prozess begleitet. Anschließend werden die ausgewählten Entwürfe im Großformat gedruckt und für die finale Beurteilung vor-bereitet.

„Jedes Motiv erzählt das Hahnenkamm-Rennen auf seine eigene Weise und wird damit Teil seiner Geschichte.“

Martina Nöckler, Ganzjahresmitarbeiterin beim KSC und zuständig für den Plakatwettbewerb

Zur Auswahl des Siegerplakats wählt jedes Jurymitglied aus allen Einsendungen seine fünf Favoriten. Diese werden anschließend im Großformat ausgedruckt und in einer Halle präsentiert.

Im Herbst trifft sich das Bewertungsteam in Innsbruck, wo alle Plakate in einer Halle präsentiert werden. „Interessant ist, dass sich die Favoriten nur selten überschneiden“, so Nöckler. Nach einer Vorstellungsrunde der individuellen Auswahl folgt eine intensive Diskussion. In mehreren Abstimmungsrunden wird die Zahl der Entwürfe schrittweise reduziert, bis die Top drei feststehen.

Vom Entwurf zum Gewinnerplakat

Die drei Finalistinnen und Finalisten werden anschließend kontaktiert und haben einen Monat Zeit, ihr Motiv mit Textbestandteilen zu ergänzen. In einer zweiten Entscheidungsrunde prüft das Gremium, ob Gestaltung, Idee und Typografie harmonieren – und ob sich die Darstellung klar von den Kunstwerken der Vorjahre unterscheidet. „Besonders achtet die Jury darauf, dass die Gestaltung aussagekräftig ist, aber auch auf die künstlerische Qualität“, betont Nöckler. Eine klare Regel gibt es dabei: Der Entwurf muss von Hand oder digital, aber ohne den Einsatz künstlicher Intelligenz gestaltet werden.

Im Juni wird das Siegerplakat schließlich am Starthaus der Streif präsentiert. Das Motiv, das nach Entscheidung auf die K.S.C. GmbH übertragen wird, ziert nicht nur die offizielle Kommunikation des Rennens, sondern findet sich auch auf Merchandising-Artikeln, Drucksorten, Weinetiketten und Tassen wieder. So wird aus einem Kunstwerk ein Stück Hahnenkamm-Geschichte – jedes Jahr aufs Neue.

Fotos: Christian Lauer, K.S.C. GmbH/Andreas Moser